Impressum
|
Datenschutzerklärung
|
Kontakt
|
Suche
|
Presse
|
Anfahrt
leer

04.03.2011 | Sturzprophylaxe-Tipps aus der Marcus Klinik

Bad Driburg. Schon Konrad Adenauer wusste: "Fallen ist weder gefährlich noch eine Schande. Liegenbleiben ist beides." Je älter ein Mensch ist, desto höher ist aber die Wahrscheinlichkeit, nach einem Sturz liegen zu bleiben. Ein gebrochener Oberschenkelhals, eine Fraktur des Oberarms, der Schulter oder sogar des Schädels können insbesondere Menschen über 70 Jahre von selbstständigen Senioren zu Pflegefällen machen. Durch Hüftfrakturen älterer Menschen entstünden jährlich Kosten von einer Milliarde Euro, stellt das NRW-Gesundheitsministerium im Rahmen seiner Förderung des Projekts "Sturzprävention bei Seniorinnen und Senioren" fest. 

Die Verantwortung zur Verhinderung solcher Stürze sieht Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens bei jedem Einzelnen, vor allen Dingen aber im Gesundheitswesen. Auch die Bad Driburger Marcus Klinik aus dem Verbund der Gräflichen Kliniken ist sich dieser Verantwortung bewusst und baut ihre Angebote in der Sturzprophylaxe seit vielen Jahren stetig aus. Ziel ist es zum einen, den Patienten die Zusammenhänge zwischen dauerhafter Abhängigkeit und unbeabsichtigten Stürzen, die das Statistische Bundesamt auf vier bis fünf Millionen pro Jahr schätzt, transparent zu machen. Zum anderen ist es die Aufgabe eines professionellen interdisziplinären Therapeutenteams, den altersbedingten Veränderungen mit einem angeleiteten Training entgegenzuwirken. 

"Bereits die Einnahme fünf verschiedener Medikamente mit ihren Nebenwirkungen gilt als sturzgefährdend", erläutert Dr. Michael Struck, Leiter des Osteoporose-Kompetenz-Zentrums und Chefarzt der Orthopädie in der Marcus Klinik. Grundsätzlich wird bei den Ursachen für Stürze zwischen intrinsischen und extrinsischen Folgen unterschieden. Zu den intrinsischen Faktoren gehören u. a. altersbedingte Erscheinungen wie Schwindel, Sehstörungen, Verlust der Muskelkraft und Veränderung des Gangbildes. Dr. Heinke Michels, Sportwissenschaftlerin der Marcus Klinik: "Ganz besonders der Kraftverlust älterer Menschen führt zu nachlassender Gleichgewichtsfähigkeit. Um diese zu trainieren, ist ein Krafttraining gut geeignet. Ausdauersportarten wie Nordic Walking oder Wanderungen erfüllen diesen Zweck entgegen vieler Annahmen nicht!" 

Zum wissenschaftlich evaluierten Gleichgewichtstraining, wie es in der Klinik in verschiedenen Gruppen angeboten wird, gehört neben dem Krafttraining außerdem ein kognitives Training und eine Wahrnehmungsschulung über 15 bis 20 Minuten pro Tag. Darüber hinaus leitet die Ergotherapie dazu an, die so genannten extrinsischen Faktoren weitestgehend aus dem eigenen Haushalt zu verbannen: Stolperfallen wie hochstehende Teppichkanten, schlechte Beleuchtung und glatte Böden müssen erkannt und beseitigt werden. Im Rahmen der "Anpassung des häuslichen Umfelds" arbeiten die Pflegekräfte der Marcus Klinik mit den Patienten an der Veränderung sturzverursachender Verhaltensweisen, wie z.B. auch dem nächtlichen Gang zur Toilette im Dunkeln, der sehr oft zu Stürzen führt. 

Die Wirksamkeit qualifizierter Sturzprävention - ob als ambulantes oder stationäres Angebot - ist durch zahlreiche Studien belegt. Dr. Michael Struck erachtet eine Ausweitung des Angebots auf die gesamte ältere Bevölkerung für sinnvoll und wünschenswert. Reha-Kliniken könnten hier in Zukunft aus gesundheitlicher und gesundheitsökonomischer Sicht ein wichtiger Anbieter sein. So sieht das auch Ministerin Barbara Steffens: Das aus Stürzen resultierende menschliche Leid lasse sich nicht beziffern. "Deshalb ist es nicht nur wirtschaftlich, sondern auch zutiefst menschlich, Ältere vor Stürzen möglichst zu bewahren."